TÓTEM

Als Tótem bezeichnen Naturvölker ein pflanzliches oder tierisches Wesen, das eine Familie repräsentiert, schützt und zusammenhält. Der zweite Spielfilm der Mexikanerin Lila Avilés, die mit La Camarista 2018 Aufsehen erregt hatte, trägt diesen Begriff als Titel. Er spielt im weitläufigen Haus und Garten einer Familie in Mexiko City und beschreibt einen einzigen Tag. Im Zentrum steht die siebenjährige Sol, mit atemberaubend absenter Präsenz verkörpert von Naíma Sentíes. Alles dreht sich um die Vorbereitungen der Geburtstagsparty ihres jungen Vaters Tona. Es wird gekocht, gebacken und geputzt, gelacht und gestritten, es werden Geister ausgetrieben, Verwandte und Freunde treffen ein. Unter dem schwirrenden Trubel liegt eine mit Händen zu greifende, alle und alles verbindende Spannung: Die Sorge um den todkranken Tona, der in seinem Zimmer versucht, seine schwindenden Kräfte für den Abend zu bündeln. Die Party wird Abschied und fulminante Feier des Lebens in einem.
